Vorsitz des Trägervereins

Dieter Dowideit steht vor der Musikschule, am Donnerstag den 18.06.2020 in Neukirchen-Vluyn. Der langjährige Vorsitzende der Musikschule Neukirchen-Vluyn e.V. geht in den Ruhestand. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

 

Auf der Mitgliederversammlung am Donnerstag, 18. Juni 2020, 20.00 Uhr wurde der langjährige Vorsitzende Dieter Dowideit verabschiedet.

Hier die Laudatio von Barbara Wolter zum Abschied:

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ Friedrich Nitzsche

Dieters Dowideits Geschichte
begann sie

  1. wie ein Märchen, in dem drei gute Feen ihm ins Ohr flüstern, du wirst Vorsitzender der Musikschule oder
  2. wie bei Shakespeares Macbeth, wenn drei Hexen böse Pläne schmieden oder
  3. mit einem informellen Treffen von drei Herren mit gleichen Interessen?

So lasst euch berichten, wie Dieters 34-jährige Karriere als Vorsitzender der Musikschule begann:
Verdammt lang ist es her, als drei Herren besorgt die Köpfe zusammensteckten, um einen Plan auszuhecken, wen sie zum Häuptling der Musikschule küren sollten. Folgende Vorgaben hatten sie:

  1. Es muss einer aus meiner Partei sein, sagte der damalige Fraktionsvorsitzende der SPD
  2. Er muss ein Konto bei der Sparkasse haben, meinte der scheidende Vorsitzende der Kasse
  3. Er darf sich in meine Buchhaltung nur einmischen, wenn ich es erlaube, so sagte der Professor Paffenholz, der damalige Kassierer

Nach längerer Beratung und eingehender Prüfung aller möglichen Aspiranten blieb für die drei nur einer übrig:

Dieter Dowideit

  1. Nicht nur Mitglied sondern Ratsmitglied der SPD
  2. ein Konto bei der Sparkasse hatte und hat er auch heute noch
  3. und er würde Professor Paffenholz sicher nicht in die Buchhaltung hineinreden

Und es gelang dem Trio, Dieter davon zu überzeugen, dass dieser Posten genau richtig für ihn sei – und sie sollten Recht behalten. Dieter steuerte den Musikdampfer 34 Jahre, in der ersten Dekade durch „laue Lüftchen“, da wurde das zarte Pflänzchen noch gehegt und gepflegt und die Schule konnte ein Profil entwickeln, LehrerInnen und SchülerInnen gewinnen und zu einer festen Einrichtung im Ort werden.

In dieser Zeit war Dieter besonders rührig bei der Gewinnung neuer Mitstreiter in seinem Freundes- und Bekanntenkreis, dem konnte man sich kaum entziehen.

Hier sei eine persönliche Anmerkung gestattet: Dieter überzeugte uns davon, dass unsere Kinder unbedingt im Kinderchor der Musikschule mitmachen müssten – er hatte Recht

und Kinderchor bedeutete dann auch Musiktheater – eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten

und Musiktheater bedeutete dann Gesangsunterricht für die SolistInnen

und wenn die Kinder schon singen, dann die Eltern auch – also Madrigalchor für meinen Mann und mich, wobei Dieter die Mitwirkung meines Mannes wohl wichtiger war als meine, denn es machte ihm das Leben in seiner Stimme leichter.

Aus der Binnensicht der Musikschule können wir also feststellen, er hat Aktive gewonnen – und das gilt in allen Bereichen, auch im Rahmen der Vorstandsarbeit.

Aber der Kapitän hatte auch raue See zu meistern: In den ersten Jahren wurde das Büro wunderbar von Frau Schweder geleitet, die er dann überredete, das Amt der Kassiererin von Professor Paffenholz zu übernehmen, damit war die Buchhaltung gesichert, die Büroarbeit allerdings nicht. Da gab es viel zu tun, es galt, große Katastrophen zu verhindern und viel Zeit für das Ehrenamt zu opfern.

Manchmal wird solcher Einsatz dann belohnt – dies gilt auch für die Musikschule, denn mit Frau Kühnemund wurde eine Bürokraft eingestellt, die keine Wünsche offenlässt. Jetzt war in diesem Bereich Ruhe eingekehrt, da tat sich eine wahre Sturmflut auf: Es galt, einen neuen Vertrag mit der Stadt auszuhandeln, und von Wohlwollen oder gar Akzeptanz der Leistung der Schule war fast nichts mehr zu spüren: Die Stadt habe kein Geld, die Musikschule könne auf eine Weiterführung der bisherigen städtischen Fördermittel nicht mehr hoffen und wir klagten ja immer – egal wieviel Geld man uns gebe.

Der dann ausgehandelte Vertrag verdiente den Namen Knebelvertrag, denn er führte dazu, dass wir, welche Anstrengungen wir auch immer unternahmen, unaufhaltsam in die „Miesen“ gerieten. So mussten Jahr für Jahr große Teile der Liquiditätsreserve, die dazu dient, Gehaltszahlungen für die Angestellten zu garantieren, aufgelöst werden, um das Schiff flott zu halten.

Es folgten zwei Jahre „runder Tisch“ mit den Vertretern der Politik, die bei den Vorstandsmitgliedern zu einem Wechselbad der Gefühle führten. Mal schien es, dass die Leistung der Musikschule anerkannt wurde, dann plötzlich war davon nichts mehr zu spüren und selbst in den politischen Gruppierungen gab es keine einheitliche Meinung, doch letztlich eine glückliche Lösung, nicht zuletzt durch die zeitlich begrenzte großzügige Spende eines Mäzens und eine neue Frau als Kämmerin der Stadt.

Dieter übergibt das Schiff in einem stabilen Zustand, denn im letzten Jahr konnten wir erstmalig wieder einen kleinen Betrag der Liquiditätsreserve zuführen. Das war für Dieter ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Musikschule, aber wie sah es mit seiner persönlichen Entwicklung aus?

In den letzten Jahren war Dieter hin und hergerissen, einerseits hatte er Spaß an der Aufgabe und zu Recht das Gefühl, einen guten Job zu machen, andererseits zog es ihn oft zu seinem Zweitwohnsitz in Spanien, wo nicht nur das Wetter besser, sondern auch seine Frau sich häufig, und eine seiner Töchter und seine Enkel sich dauerhaft aufhalten.

Und so hat er sich wohl, frei nach Udo Jürgens gedacht, mit 66 Jahren war noch lange nicht Schluss, aber mit 75, da darf man dann doch Ehrenämter aufgeben, um seine eigenen Interessen stärker in den Vordergrund zu stellen. Außerdem, so hat er gedacht, ist es immer gut, dann Adieu zu sagen, wenn es die Anderen bedauern.

Lieber Dieter, du hast den Zeitpunkt frei gewählt, aber Corona verlangte eine Verlängerung, die du wie immer souverän gemeistert hast – aber nun ist der Stabwechsel möglich:  du hast einen Nachfolger gefunden, der deine Aufgabe gern übernimmt und du hast Dank und Anerkennung für deine Arbeit verdient.

Daher möchten wir dir auch etwas schenken:

  1. In Anlehnung an den musikalischen Auftakt schenken wir dir roten Wein, und ich weiß, was du magst.
  2. Du bist nicht zuletzt auf Grund deiner Parteizugehörigkeit in dieses Amt gebracht worden, daher schenken wir dir zwei Karrikaturbände, einer beschäftigt sich mit Willy Brandt, der andere mit Helmut Schmidt, schließlich musst du ja was zu tun haben und
  3. Schicken wir dich mit deiner Frau in eine „kleine Auszeit“ ins Sauerland, da kannst du wunderbar essen, wandern, Fahrrad fahren etc. Den Termin solltest du allerdings selbst festlegen, denn wie wir alle wissen: „Rentner haben nie Zeit“.

Und es ist selbstverständlich, dass jemand der mit der Musikschule schon Silberhochzeit gefeiert hat, zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit ernannt wird.

Lieber Dieter, wir danken dir für deinen vorbildlichen Einsatz für die Musikschule und wünschen dir für die Zukunft alles nur erdenklich Gute!